Montag, 11. August 2014

Kennzahl zur finanziellen Freiheit

Im früheren Artikel "Die Meilensteine zum Vermögensaufbau und zur finanziellen Freiheit" hatten wir die größten Etappenziele auf dem Weg zur finanziellen Freiheit genannt. Sofern ein Ziel noch sehr weit weg erscheint, kann dadurch jedoch die Motivation leiden. Daher erschien nachfolgend der Artikel "Warum die kleinen Ziele zur finanziellen Freiheit so wichtig sind" mit kleineren Meilensteinen zur Motivationserhaltung. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit den aktuellen Stand zur eigenen finanziellen Freiheit auf einem Blick zu sehen und zwar in Form einer Kennzahl.

Ein Video zum FFI-Index auch auf dem Youtube Kanal von Passiver Geldfluss.

Persönlich bin ich ein Freund von einfachen Kennzahlen, um sofort - ohne jedesmal tiefergehende Analysen durchzuführen - zu erkennen, ob es eine Veränderung und womöglich Handlungsbedarf gibt. So kann man zum Beispiel selbst als Privatanleger mit den Informationsquellen des Internets in relativ kurzer Zeit Kennzahlen von Aktien analysieren, um einen Überblick über die Qualität eines Unternehmens zu erhalten.

Finanzielle Freiheit bedeutet, dass man deutlich mehr Geld aus passiven Einkommensquellen zur Verfügung hat als monatlich ausgegeben wird.

Finanzielle Unabhängigkeit betrachte ich als den Zeitpunkt, wenn das passive Einkommen immerhin schon die kompletten monatlichen Ausgaben abdecken.
Wie weit man von diesen Zielen noch entfernt ist oder wie weit man diese Meilensteine bereits überschritten hat, lässt sich ebenfalls anhand einer einfachen Kennzahl ablesen. Die Kennzahl möchte ich nachfolgend als den "Finanzielle Freiheit Index (FFI)" bezeichnen und berechnet sich aus dem monatlichen passiven Einkommen dividiert durch die gesamten monatlichen Ausgaben.

Finanzielle Freiheit Index (FFI) = 
monatliches passives Einkommen / monatliche gesamte Ausgaben

Zum monatlichen passiven Einkommen zählen alle Einkünfte, für die keine (oder nur sehr geringe) regelmäßige Arbeitszeit aufgebracht werden muss. Hier sind einige Beispiele für passive Einkommensquellen genannt worden. Der Verzehr von vorhandenem Vermögen zählt nicht dazu, weil sonst eine Zeitkomponente mit ins Spiel kommt. Wenn man länger lebt als ein verfügbares Geldvermögen reicht, ist die finanzielle Freiheit wieder dahin.

Mit monatlichen Ausgaben sind Fixkosten wie Mietzahlung und Nebenkosten (für Hausbesitzer Nebenkosten + notwendige Instandhaltungskosten), Stromrechnung, Telefon- und Internetanbieter, Versicherungen und mögliche Verbindlichkeiten und Ausgaben für Nahrungsmittel, Konsum und Freizeit gemeint.

Im Folgenden möchte ich einige typische Werte des FFI nennen. Negative Werte sind sehr ungünstig, weil man sich dann in finanziellen Schwierigkeiten befinden könnte. Je höher der Wert desto besser, Werte über 1,0 sollten das langfristige Ziel sein.

< 0,0 = Schulden
Wer kein passives Einkommen erhält und im Gegenteil sogar noch Zinsen für Verbindlichkeiten zahlen muss, hat einen negativen FFI. In diesen Fällen gilt es so schnell wie möglich wieder aus den Schulden herauszukommen, hier noch Hinweise falls eine private Überschuldung droht.

0,0 = Man lebt ausschließlich von Arbeitseinkünften
Diesen Wert des FFI haben viele Menschen. Das ist der typische Fall für Geld arbeiten zu gehen und sonst gibt es keinerlei Einkünfte. Sobald man seinen Arbeitsplatz verliert, fließt kein Geld mehr ins eigene Portemonnaie. Das ist ein ziemlich unsicherer Zustand. Denn selbst wenn der eigene Arbeitsplatz an sich relativ sicher ist, können Veränderungen dazu führen, sich dort nicht mehr wohlzufühlen. Die finanzielle Abhängigkeit kann dann zur Belastung werden.

0,1 = Ein erster Anfang
10 Prozent seiner regelmäßigen Ausgaben als passive Einkünfte zu erzielen ist ein toller Anfangserfolg!
Jetzt lassen sich davon pro Monat schon einige Lebensmitteleinkäufe, Tankfüllungen oder zum Beispiel Rechnungen für Internet oder das Mobile Phone bezahlen.

0,3 bis 0,4 = Etwa die Höhe einer Mietzahlung
Wer zur Miete wohnt, bei dem beträgt der Anteil der monatlichen Mietzahlung an den gesamten Ausgaben etwa 30 bis 40 Prozent. Wer es geschafft hat diesen Anteil nicht mehr aus seinen Gehaltszahlungen begleichen zu müssen, wohnt faktisch bereits mietfrei!

0,5 = Die halbe Strecke ist geschafft!
Sobald bereits die Hälfte der Kosten aus passiven Einkünften bezahlt werden können, besteht aus finanzieller Sicht bereits wesentlich mehr Unabhängigkeit. Der Verlust des Arbeitsplatzes könnte deutlich einfacher verkraftet werden. Denn man muss nun nur noch die Hälfte der monatlichen Ausgaben aus den Ersparnissen begleichen. Grundsätzlich könnte man hier auch prüfen, ob alle Ausgaben wirklich notwendig sind. Somit wäre man der finanziellen Unabhängigkeit möglicherweise schon näher als zunächst gedacht.

0,6 bis 0,7 = Kleine finanzielle Unabhängigkeit
Bei der kleinen finanziellen Unabhängigkeit deckt das passive Einkommen bereits die monatlichen Fixkosten ab. Der FFI von 0,6 bis 0,7 ist natürlich nur eine Schätzung und hängt vom individuellen Lebensstil ab. Falls man plötzlich ohne Arbeitsplatz dasteht, könnte man ohne Probleme ein bis zwei Jahre vom Geld des finanziellen Schutzes leben, da man "nur" noch Geld für Nahrungsmittel, Konsum und Freizeit benötigt. So hätte man zum Beispiel ausreichend Zeit, um nach dem Verlust des Arbeitsplatzes etwas Neues zu suchen oder eine Selbständigkeit zu beginnen.

1,0 = Finanzielle Unabhängigkeit
Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet, dass sämtliche Ausgaben durch die monatlichen passiven Einkommensströme bezahlt werden können. Herzlichen Glückwunsch!
Wegen Geld brauchen Sie ab sofort nicht mehr arbeiten zu gehen und das ist sicherlich der wichtigste Meilenstein. Mir sind sieben Gründe für das Ziel finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen eingefallen.

1,5 bis 2,0 = Finanzielle Freiheit
Eine richtige Grenze zur finanziellen Freiheit gibt es nicht. Es hängt auch von einem selbst ab. Freiheit bedeutet meiner Meinung nach nicht mehr auf das Geld achten zu müssen. Sollten im Laufe der Zeit die Ausgaben jedoch ansteigen, verlagert sich der FFI wieder mehr Richtung 1,0, also zur finanziellen Unabhängigkeit. Je nachdem was man in der finanziellen Freiheit vorhat, sollte das Polster zum Grenzwert der finanziellen Unabhängigkeit ausreichend groß gewählt werden. Zu knapp würde ich den Abstand nicht wählen, sonst können bereits unvorhergesehene Ereignisse mittlerer Größe die gerade erst erreichte Freiheit wieder beenden,

3,0 = finanzieller Wohlstand
Ich denke, wer mindestens dreimal so viel Geld als passives Einkommen zur Verfügung hat als monatlich ausgegeben wird, genießt wahrlich finanziellen Wohlstand. Selbst wer seine Kosten im Laufe der Zeit noch etwas erhöht, hätte noch immer genug Geld für weitere Investitionen oder Spenden zur Verfügung.

Das Schöne an dieser Kennzahl ist die Präsenz und Gültigkeit für jeden Monat. Jeden Monat lassen sich die Höhe der Ausgaben und des passiven Einkommens gegenüberstellen.
Diese einfache Kennzahl ist nicht nur für eine Person anwendbar, sondern auch für ganze Haushalte. So könnten einfach die monatlichen Ausgaben einer Familie zur Berechnung benutzt werden.

Jetzt aber noch ein wichtiger Hinweis: Es wäre ziemlich fahrlässig sich alleine auf ein finanzielles Standbein auszuruhen. Wer zum Beispiel ausschließlich von Dividendenzahlungen aus Aktienbesitz leben möchte, läuft Gefahr sich zu sehr von dieser einen Einkunftsquelle abhängig zu machen. Es braucht nur einmal die Kapitalerstragssteuer erhöht werden, schon stimmt die ursprüngliche Rechnung nicht mehr. Hier meine Einschätzung zur zukünftigen Kapitalertragsteuer.
Auch wer sich alleine auf Interneteinkünfte oder Tantiemen aus Buch- oder Software-Verkäufen verlässt, könnte in der aktuell schnelllebigen Zeit neuer Technologien eine böse Überraschung erleben. Daher mein dringender Rat sich mehrere finanzielle Standbeine aufzubauen.

Nun zum Schluss aber meine Frage an alle Leser. Wie hoch ist Ihr persönlicher Finanzielle Freiheit Index (FFI)? Weiter rechts gibt es dazu eine Umfrage.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Meine absoluten nicht-vermeidbaren Grundausgaben (~500€) werden von meinem passiven Einkommen schon ziemlich gut abgedeckt. Werd aber trotzdem wohl bis zur Rente arbeiten gehen - ich könnt zwar jetzt schon "Nichtstun" aber das wäre ein erstmal ein Leben von Wasser und Brot.
    Ausserdem fließt ja der Großteil meines Lohns wieder ins passive Portfolio, was für die Zukunft weiter ansteigende Ausschüttungsströme bedeutet.

    Möchte nochmal was dazu sagen:
    "Finanzielle Freiheit bedeutet, dass man deutlich mehr Geld aus passiven Einkommensquellen zur Verfügung hat als monatlich ausgegeben wird."

    Weil das wichtig zu verstehen ist. Finanzielle Freiheit (für die meisten Normalbürger) bedeutet NICHT, sich alles was man vielleicht haben will auch sofort kaufen zu können. Ein Privatjet und ähnliche Bonzenspielereien sind auch für die meisten Privatiers unerreichbarer Überfluss. Es geht gerade darum, seine Ausgaben im Griff zu haben - so ist es gerade für Menschen, die eigentlich vom Vermögen her das Zeug hätten wirklich "frei" zu sein, oft so dass sie ihr Geld nur sinnlos verprassen statt vernünftig anzulegen und am Ende doch mit mehr Schulden dastehen (Beispiele von "Gutverdienern" aus dem Bekanntenkreis fallen mir zur Genüge ein).
    Klar muss man kein totaler Asket sein, nur muss man der Versuchung widerstehen, sobald sich auch nur mal ein kleines bischen Kohle angesammelt hat, es für Schnickschnack auszugeben welches selber kein neues Geld abwirft. Wer das versteht und praktiziert, dem ist der Weg in die finanzielle Freiheit fast garantiert.

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    1. Hallo Christoph, ich teile deine Ansicht über den Umgang mit Geld, befinde mich aber gerade erst am Anfang der Reise. Soll heißen, minimal investiert und am Anfang des Berufslebens. Ich verfolge den Blog hier eifrig, freue mich aber auch immer zu erfahren wie Andere ihr passives Einkommen generien, um auch für mich Pläne gestalten zu können.

      Wie erreichst du dein doch schon stattliches passives Einkommen? Welche Asset-Klassen etc wählst du?

      Grüße Michael

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    2. Nichts aussergewöhnliches eigentlich. Ein Großteil kommt noch von alten Zinskonten (die zu damals noch guten Konditionen ausgeschüttet hatten, aber das läuft jetzt alles nach und nach aus und wird sukzessive mehr in Richtung Depotinvestition umgeschichtet).
      Mein Depot sieht im großen und ganzen nicht viel anders als das von hier von der Seite aus, ein paar kleinere Sachen am Rande vllt anders, aber der Kern liegt halt auf globalen soliden Dividendenunternehmen, die man wohl beruhigt jahrzehntelang so laufen lassen kann.

      Ansonsten bin ich noch Vermieter. Hab das aber nur gemacht, weil ich die Möglichkeit hatte, das Haus bar und ohne Kredit zu bezahlen. Da verdient also erstmal keine Bank mit und die Mieten bleiben sofort bei mir.
      Draussen auf dem Dorf wird auch noch Omas Acker verpachtet, das ist aber nicht der Rede wert. Ich ärger mich heut noch immer wieder, dass ich damals verpennt hab, auf den EEG-zug aufzuspringen als der noch so übersubventioniert war, wenn ich seh wie sich manche Nachbarn durch ihre Anlagen heut ein schönes Zubrot verdienen.

      Ansonsten hab ich z.B. noch ein paar Privatdarlehen laufen mit (für mich, lol) guten Zinsen (also keine verkappte Schenkung oder so). Allerdings ist das auch sicher nicht für jeden was, Leuten Geld zu leihen.

      Naja, und dann halt noch so kleinere Sachen hier und da nebenher, die man aber eigentlich nicht mehr als "passiv" bezeichnen kann, weil sie schon mit etwas Arbeit verbunden sind.

      Mit Internet, also Blogs und so, hab ich zum Beispiel noch garnichts zu tun, denn obwohl ich zwar großen Mitteilungsdrang hab interessieren sich dummerweise nie genug Leute dafür, um dafür größeren Traffic zu generieren :-)

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  2. Hallo Lars. Ich stehe noch ziemlich am Anfang. Meine Zins- und Dividendenerträge belaufen sich momentan durchschnittlich auf etwa 115 Euro pro Monat. Aber das wir sicherlich noch. In der vergangenen Woche habe ich wieder einiges nachgekauft.
    Grüße

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  3. Hallo Lars,

    Kennzahlen oder Indices haben den großen Vorteil, eine Entwicklung oder einen Vergleich relativ schnell mit einer einzigen Zahl erfassen zu können.
    Von daher bin ich auch ein Freund solcher Kennzahlen. So kann ich z.B. die heutige Börsenstimmung mit einem einzigen Blick auf den DAX einschätzen.

    Aber man muss natürlich immer auch den Sinn einer Kennzahl betrachten. Und der Sinn des FFI (Finanzielle Freiheit Indikator) liegt für mich darin, abschätzen zu können, wie weit man noch von dem Punkt entfernt ist, die abhängige Arbeit beenden zu können.
    Bin ich auf dem Weg erst bei 10%, oder habe ich vielleicht schon 75% zurückgelegt? Wie viel fehlt noch?

    Insofern ist der FFI eine gute Orientierung. Ich meine aber, wenn Du bei der Berechnung des FFI den Kapitalverzehr kategorisch ausschließt, dann zeigt der FFI ein zu negatives Bild. Andersherum: Er vermittelt den Eindruck, es brauche noch eine ganze Weile, obwohl man vielleicht schon längst am Ziel ist.
    In einem anderen Blog habe ich kürzlich das schöne Bild von dem "Gummiweg" gelesen, der sich immer mehr in die Länge zieht, während man ihn beschreitet.

    Ich denke also, man müsste den Kapital-Verzehr ebenfalls berücksichtigen. Ich habe unter dem Titel "Lebenserwartung und Finanzplan" auf meiner Seiter "Der Privatier" zwei Beispiel-Rechnungen veröffentlicht, die die beiden Sichtweisen mit und ohne Kapitalverzehr gegenüberstellen: http://der-privatier.com/kap-4-6-2-lebenserwartung-und-finanzplan/
    Ich denke, daraus wird deutlich, dass man ohne Berücksichtigung des Kapitalverzehrs eine zu pessimistische Einschätzung bekommt. Man läuft seinem Ziel ewig hinterher!

    Dass damit auch Gefahren verbunden sind, sei der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen.

    Gruß, Der Privatier

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    1. Ja zum Kapitalverzehr muss man sich bei dem ganzen Thema schon Gedanken machen.

      Ich selbst habe ja z.B mittlerweile schon eine gewisse Summe aufgebaut von der ich zwar ertragsausschüttungs-mäßig noch nicht wirklich "frei" leben kann, aber wenn ichs jetzt einfach verzehre und für Urlaube etc verballer wären damit schon zumindest ein paar schöne fette Jahre drin. Allerdings ist danach aber auch alles weg.
      Natürlich nur grob vereinfacht übertrieben, in der Praxis wird das ganze schon etwas differenzierter aussehen (deswegen z.b. ja deine Finanzpläne). Natürlich muss gesagt werden, dass wenn jemand ausschließlich von Ausschüttungen leben will, er ein höheres Grundkapital braucht (als wenn er "nur verzehrt"), und die "Gefahr" ist da, dass man dann nur am rackern und schuften ist, sich diesen Kapitalstock aufzubauen - und wenn es dann soweit ist, ist man schon so alt und grau (oder schon vorher tot, tja) dass es "umsonst" war.

      Wie gesagt, bei beiden unterschiedlichen Herangehensweisen ist es wohl am wichtigsten wirklich konkret und klar zu planen und zu rechnen. Wie lange komme ich mit einer Summe aus, wenn ich sie verzehre ? Und wie lange brauche ich überhaupt, um eine Summe aufzubauen ?
      Je nachdem, was dabei heraus kommt, muss man schon seine persönlich für sich sinnmachende Strategie finden.

      Achja, bei mir sind eben Erben vorhanden, die auch (Stand jetzt, haha) gern noch was bekommen sollten, von daher wird erstmal nix verzehrt :-)

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  4. hallo zusammen

    wieviel kapital brauche ich denn, um 0,3-0,4 als wert durch passive kapitalströme zu schaffen? habe ca. 50k. ist das damit jetzt schon erzielbar?

    dank

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    1. Lars' HY-Depot hat eine Ausschüttungsrendite von etwas über fünf Prozent, bei 50k investiert kommt dabei also jährlich etwas um die 2500 raus.
      (alles brutto nur natürlich).
      Wären auf den Monat gerechnet also schonmal über 200 Euro dazu.

      dein Faktor lässt mich schließen, das du monatliche Ausgaben von ugf 600 Euro hast ? (das kommt jedenfalls dabei raus wenn man dem 200€ passives Einkommen gegenüberstellt, eine Finanzielle Freiheit im Bereich von 0,3-0,4).

      Denn wie gesagt, die Ausgabenseite spielt eine große Rolle. Wer mit 200 € zum Leben komplett auskommt, der ist also schon "frei" - allerdings würde sich das sicher nicht wie ein freies Leben anfühlen. Auf der anderen Seite sollte man sich auch Gedanken machen, wenn die (absolut unverzichtbaren, fundamentalen) Grundausgaben zu hoch sind - das variiert natürlich je nach Person und Lebenslage, aber aus dem Bauch heraus würd ich sagen, wenn jemand (Einzelperson) mehr als 1500€ im Monat ausgibt, sollte da mal genauer nachgeschaut werden, was evtl eingespart werden kann.

      Wichtig auch, zu erwähnen, das Dividenden nicht der einzige Weg sind, passives Einkommen zu schaffen, sondern auch nur einzelne Säule von vielen Kapitalströmen, die man am besten haben sollte. Das Blog stellt hier einige vor
      http://finanziell-umdenken.blogspot.de/p/blog-page.html
      Wobei natürlich der Schwerpunkt auf Wertpapieren liegt. Ansonsten spricht Lars (als Blogger natürlich aus eigener Erfahrung) auch oft darüber wie man mit dem Internet Geld verdienen kann (z.b. Werbeeinnahmen und Affiliate-Marketing). Aber natürlich ist nicht jeder talentiert genug, interessante Texte oder sonstige Dienstleistungen/Produkte zu bringen. Wer einfach "nur Geld" (aber keine Ideen, lol) hat, kann auch den altbekannten Weg mit Immobilien(miet)einnahmen gehen, allerdings stehen wir dem mit gesunder Kritik gegenüber und es sollte schon mit dem spitzen Bleistift gerechnet werden ob es sich auch wirklich lohnt.

      Achja, wenn man mich persönlich fragen würde, ab wieviel Kapital (monatlich und gesamt) ich mich als frei und Privatier fühlen würde, so ungefähr ab 2000€ monatlich vielleicht - um solche Ausschüttungsströme zu erreichen, braucht man ein investiertes (also "arbeitendes") Vermögen von mehr als 500k, besser 1mio.
      Dafür muss ich dann doch noch ein Stückchen ackern gehen :-)

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  5. Danke für die vielen guten Anmerkungen.

    @Christoph: Richtig, die eigenen Kosten sollten nicht ins Unermessliche steigen. Solange man genug Polster bis zum FFI von 1,0 (von oben her) hat, kann man seine Ausgaben erhöhen. Aber letztendlich ist gemeint seinen Lebensstil in etwa beizubehalten oder nur geringfügig anzuheben.

    @den Privatier: Die Rechnung habe ich bewusst ohne Verzehr des Eigenkapitals gemacht. Es geht um finanzielle Freiheit, daher sollten schon die "strengeren" Maßstäbe angesetzt werden. Als zusätzliche Variante lässt sich sicher auch ein Index oder eine Kennzahl mit Kapitalverzehr berechnen. Allerdings würde ich hier die eigene Lebenserwartung besonders hoch ansetzen.

    Im hohen Alter hat man sonst aus eigener Kraft kaum mehr Möglichkeiten nachzubessern. Vielleicht möchte ich mir mit 78 Jahren mir doch noch etwas besonderes gönnen. Immerhin hätte ich dann noch die Möglichkeit auf mein Kapital zuzugreifen. Wenn von vorneherein mit Kapitalverzehr gerechnet wird, steht mir dieser "Joker" nicht mehr zur Verfügung.

    Mir persönlich ist die Kalkulation mit dem Kapitalverzehr zu knapp bemessen, weil dann keine großen Reserven verfügbar sind. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, einige von uns werden im höheren Alter leider pflegebedürftig und die demographische Entwicklung führt dazu, dass man eine Menge selbst dazuzahlen muss. Wenn mir aber mit 85 das Kapital ausgeht, bekomme ich keine professionelle oder nur die allernötigste Versorgung.

    Es lassen sich sicher noch weitere Beispiele finden.
    Um das Polster zumindest etwas zu erhalten, könnte man die Berechnung mit Kapitalverzehr für eine Lebenserwartung von 100 oder noch besser 110 Jahren durchführen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit schon ziemlich zum eigenen Vorteil :-)

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  6. Die Einführung einer Unabhängigkeitskennzahl ist ein interessanter Gedanke. Aus meiner Sicht muss man jedoch berücksichtigen, dass die Ausgabenseite nicht starr ist, sondern sich im Laufe der Zeit verändert. Wer als Single noch seine Ausgaben im Griff hat und Geld zum Sparen beiseite legen kann, macht sich in der Regel kaum darüber Gedanken, welche Ausgaben in der Zukunft noch auf ihn warten. Zunächst steigen die Ansprüche, insbesondere wenn dann irgendwann eine Familiengründung und Kinder anstehen, dadurch werden dann wieder größere Anschaffungen (größeres Auto, Urlaubskosten steigen, Lebenshaltung allgemein) nötig. Dabei ist es aus meiner Sicht schon eine mental nicht zu vernachlässigende Herausforderung, beispielsweise bei einem Vermögen von 1 Mio. mit monatlich 2000 Euro auszukommen. Unmöglich sicher nicht, aber schwer.

    Ein regelmäßiger Einschnitt ist zudem irgendwann ein Immobilienerwerb, bei dem man seine Ersparnisse als Eigenkapital einbringt. In dem Moment kann sich die finanziellen Unabhängigkeit/Freiheit umkehren in die Schuldenabtragung. die Dividendeneinnahmen bleiben aus, umgekehrt zahlt man dann auf den Kredit. Nicht einfach, die ganze Problematik...

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    1. Ja, das ist sicher sehr von der Situation abhängig. Die steigenden Ansprüche bei steigendem Einkommen sind es auch, was vieles wieder relativiert.
      Wie gesagt, ich kenne zum Beispiel Leute, die verdienen ein viel größeres Gehalt als ich - aber haben vom Nettovermögen viel weniger angespart/investiert. Denn alles fließt entweder in Status-Schnickschnack (man muss ja "standesgemäß" leben) oder wird benutzt um endlose große Kredite anzuleiern. Dann steht vielleicht das dicke Auto vor der großen Villa, aber unterm Strich verdienen nur die Banken daran.

      Das muss aber nicht zwangsläufig immer so sein. Zum einen ist es eine Frage der eigenen Einstellung (und das Publikum, das sich hier fürs Thema interessiert, scheint ja schonmal finanziell aufgeklärt genug), zum anderen kann man auch, wenn man bei der Partnerwahl mal ein bischen mehr das Hirn benutzt anstatt nur andere Körperteile, darauf achten dass man sich mit jemandem zusammentut der finanziell die gleichen Ansichten hat und ein Zugewinn statt Kostenposten ist.
      So lassen sich bei Doppelverdienern dann auch Synergieeffekte bei der dadurch billigeren Haushaltsführung nutzen. Kinder allerdings, klar, sind erstmal immer ein Minusgeschäft dafür (das Kindergeld mal ausgenommen, aber wer das ernsthaft als relevante Einkommensgröße nimmt, hat wohl größere Probleme). Alles nicht ganz einfach, sicherlich, aber es geht schonmal dabei los dass man überhaupt seine Einnahmen/Ausgaben im Überblick hat, einen Plan mit Finanzzielen erstellt, und diesen dann auch einhält und umsetzt. Bei vielen Menschen scheitert das doch schon im ersten Punkt, Geld geht rein und Geld geht raus und am Ende wissen sie nicht wo's geblieben ist.

      Das betrifft interessanterweise noch nichtmal die wirklich Armen/Geringverdiener, denn die müssen wirklich jeden Cent umdrehen und haben garnicht erst soviel dass sie es planlos ausgeben können. Nein, es sind gerade oft die "Mittelklasse" -Leute, die von der Ausgangslage eigentlich das Zeug hätten, nachhaltig Vermögen aufzubauen, aber weil sie eben nicht rigide damit haushalten müssen gibt man es viel leichter aus. Und selbst wenn sie was für die Zukunft tun wollen, rennen die meisten doch noch brav in die örtliche Sparkasse oder Allianzfiliale, kein Wunder das da nix bei rauskommt

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  7. hi jungs wieviel sollte man sparen monatlich?

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    1. Meine Empfehlung ist am Anfang mindestens 10 Prozent seiner Einkünfte zu sparen. Wer aber richtig Vermögen aufbauen und die finanzielle Freiheit erreichen möchte, sollte mehr als 50 Prozent seines gesamten Einkommens sparen. Mehr dazu unter der Rubrik Schulden/Sparen.

      Sparen ist notwendig, aber anschließend müssen die Ersparnisse auch gut investiert werden.

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  8. danke für die antwort. ich gucke mir gerade meine letzten 12 monate gehalt an und ausgaben respektive. das ist echt katastrophal. % betrachtet mache ich es gar nicht mal so schlecht: 65% meiner einkünfte verballere ich und 35% werden gespart.

    wenn ich das jedoch auf absoluter ebene betrachte mit einkünften von >4k pro monat, dann finde ich das erschreckend, dass man als single so viel kohle verballern kann.

    gibt es ein paar richtwerte, an die man sich orientieren kann, wieviel man % ausgeben sollte pro ausgabentyp? danke euch

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    1. Richtwerte sind da pauschal schwer aufzustellen, da viel von der persönlichen Situation und den Persönlichen Zielen abhängt.

      Überleg dir einfach grundlegend was dein Anlageziel ist (bestimmter Endbetrag z.b., oder wenn du auf passives Einkommen zielst, welche Erträge - aus der Rückrechnung zur prozentualen Ausschüttungsrendite kommt man dann auch auf den nötigen Kapitalbetrag).
      Wenn du also dieses Ziel hast, kannst du auch anhand deiner Sparrate (Einnahmen minus Ausgaben) absehen, wie lang es dauert bist du dieses Ziel erreicht hat. Kommt bei der Betrachtung raus, das es z.B. unverhältnismäßig lang dauern würde, ist das ein deutliches Zeichen um die Sparrate zu erhöhen bzw. Ausgaben versuchen zu senken.

      35% Sparrate klingt ja schonmal gut und ist auch im Rahmen dessen was hier gesagt wird (>10%). Von einem überdurchschnittlichen Angestelltengehalt von 4000€ wären das schonmal monatlich 1400, oder 16800€ im Jahr.

      Nehmen wir jetzt mal an du willst ein Vermögen aufbauen, dass dir später durch Ausschüttungen ein ähnliches Einkommen wie jetzt dein Lohn beschert:

      1,2 Mio € investiertes Vermögen ergeben bei 4% Zins/Divi Ausschüttung 48k€ im Jahr, also 4k€ monatlich. Wie lange würde es dauern, wenn du mit deiner aktuellen Sparrate dieses Ziel erreichst ? Leider 71 Jahre. Klingt erstmal nicht toll, aber wir haben ja den Zinseszinseffekt vergessen. Reinvestierst du deine Erträge nämlich anstatt sie auszugeben und lässt die Zinsen mitlaufen, dauert es nur 35 Jahre bis das Vermögen den Stand von 1,2 Mio gesamt/ 48k Jahresausschüttung erreicht hat.

      Und wenn wir jetzt mal annehmen dass du a) sogar die Hälfte deines Gehalts, also 2000€, sparen kannst und b) dein Endziel garnicht Ausschüttungen von 4k monatlich, sondern "nur" 2k sind (weil es gibt ja noch etwas Rente nebenbei), sieht die ganze Sache so aus: Gebraucht werden dafür 600.000€ (die schütten bei angenommenen 4% Div/Zinsrendite 24k also 2000€ pro Monat aus). Mit "linearem" Sparen hast du die Summe in 24 Jahren erreicht. Mit Reinvestition der Erträge in 19 Jahren.

      Ich hoffe das hat dir doch schonmal ein bischen was klar gemacht. Mit deinem Gehalt sollte doch gut etwas möglich sein. Die "Finanzielle Unabhängigkeit" (also Deckung deiner Ausgaben von mtl 2600€) sollte auch irgendwo zwischen den beiden genannten Jahreszahlen, so ugf in 25 Jahren, möglich sein. Aber warum sind deine Ausgaben so hoch (als Single) ? Teure Hobbies, exclusive Miete oder bedienst du irgendwelche Finanzierungen ? Da ist sicher noch ne Menge Einsparpotential drin. Konsequent Haushaltsbuch führen und dann auswerten was man streichen bzw billiger ersetzen kann. Wie gesagt, meine eigenen absolut unvermeidbaren Grundausgaben sind ugf 500€, und (wenns hochkommt) geb ich im Monat vielleicht mal 1000€ aus, und ich leb nicht grad wie der letzte Spartaner. 2600€ im Monat sind schon nunja, zeigt mal wieder wie locker das Geld gerade auch bei denjenigen ist die's eigentlich haben.

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  9. Ergebnis der Umfrage: Wie hoch ist Ihr persönlicher Finanzielle Freiheit Index (FFI)?

    weniger als 0,0: 3%
    0,0: 4%
    0,0 bis 0,1: 33%
    0,1 bis 0,3: 29%
    0,3 bis 0,5: 7%
    0,5 bis 0,7: 6%
    0,7 bis 1,0: 3%
    1,0 bis 1,5: 1%
    1,5 bis 2,0: 1%
    2,0 bis 3,0: 0%
    mehr als 3,0: 9%

    Vielen Dank an alle für die Abstimmung!
    Insgesamt haben 7% noch kein passives Einkommen oder sind verschuldet. Immerhin sind bereits 11% der Teilnehmer finanziell unabhängig, 9% davon haben sogar ein dreifach höheres passives Einkommen als monatlich an Kosten anfallen.
    Was mich zudem freut, ist der große Anteil an Leuten mit einem FFI > 0, die sich bereits auf dem Weg zur finanziellen Freiheit befinden!

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  10. hi zusammen und vielen lieben dank christoph für die hilfreichen antworten.
    1) meine grundausgaben sind einfach zu hoch: 1200€ miete + 100€ darlehen + 1000€ cash die ich abhebe und für zig kleine sachen rausgehen (essen, kleidung, friseur, etc.) + etwaige andere dinge, bei der ich meine familie unterstütze (flug zahlen, urlaub zahlen)
    2) 1400€-2000€ sparen scheinen momentan möglich, aber das wird nicht mehr möglich sein, sobald ich eine eigene familie habe.
    3) wie managed ihr das reinvestieren der erträge: habt ihr monatliche sparpläne, die das reinvestieren berücksichtigen. wieviel titel habt ihr in eurem diversifiziertem passive einkommen depot?

    danke euch

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    1. Naja die Miete kannst du nun auch nicht so schnell einfach mal verringern (ausser du ziehst um). Ist jedenfalls sicher höher als der Durchschnitt, aber es wird ja schon einen Grund geben warum du das so ausgesucht hast. Wenigstens beherzigt es noch einen anderen wichtigen Grundsatz (- Miete sollte niemals höher als ein Drittel des Einkommens sein).

      Gut dann würd ich halt mal versuchen dass du in Zukunft bei den 1000€ "kleinen Sachen" jeden Monat bewußter hinschaust. Allein ein Haushaltsbuch nur für den Überblick ist da schon Gold wert. Gibt heutzutage ja auch schon Apps wo man Ausgaben gleich vor Ort "einloggen" kann (falls du so einer bist, der erst nach nem Monat später versucht sich durch Rechnungen zu wühlen um alles aufzuschreiben). Ich kenne deine Lebenslage nicht und kann/will dir ja auch nicht vorschreiben auf was du "lieber verzichten solltest". Die Sparziele musst du dir selbst setzen, dann hast du auch bessere Motivation sie wirklich einzuhalten.

      Familie, dazu hatte ich oben schon was geschrieben, ja wenn dutzende Kinder dazukommen, die alle gefüttert werden wollen, ist das erstmal ein großer Haufen kosten. Umso mehr noch wenn man dazu auch gleichzeitig sich (oder auf drängen des Partners) den anderen Traum des Kleinbürgers angeleiert hat, das Häuschen im Grünen. Davon kommen viele dann ihr Lebzeiten mehr auf keinen vernünftigen Zweig. Wenn da noch Scheidung etc dazukommt, oh oh. Aber hey, suum cuique.

      Sparpläne gibt es leider nur auf wenige ausgewählte ETFs, also mach ich das Reinvestiertieren nicht automatisch sondern "von Hand", pro Quartal wird eine mittlere Tausendersumme ins Depot (ein Dutzend ETFs) gebracht, die auch wieder so verteilt werden dass damit Balance zwischeneinander wieder stimmt.

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  11. Hallo, bin noch neu in dem Thema und lese mich erst mal ein.
    Aber, bei der Ausgabenseite hast Du einen wichtigen Posten unterschlagen --- die soziale Absicherung!
    Krankenkasse usw kann unter Umständen ziemlich teuer werden, auch (oder gerade) als Privatier. Da bist du schnell mit einigen hundert Euros dabei. Das gilt im Übrigen auch für die Bezieher von Privatrenten, Betriebsrenten usw.
    Dabei gilt, das dein Beitrag als Privatier doppelt so hoch sein wird als dein Beitrag als Arbeitnehmer (hier zahlt dein Chef ja auch die Hälfte dazu).

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    1. Gute Ergänzung, die soziale Absicherung gehört natürlich zu den Fixkosten dazu. Zu den Kosten als Privatier gibt es einige Informationen auf der Seite "Vorzeitiger Ausstieg aus dem aktiven Erwerbsleben" und im Artikel "Krankenkassenkosten als Privatier".

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