Sonntag, 11. Mai 2014

Buchbesprechung: Die Krise von Daniel Stelter

Ein ganz frisch erschienenes Buch habe ich am Wochenende in der Hand gehabt und war erst einmal erstaunt. Denn auf rund hundert Seiten gibt es keinen dicht gedrängten Text, sondern 77 Grafiken, Diagramme und andere Schaubilder mit Statistiken, die im Zusammenhang mit der Finanzkrise und Eurokrise stehen. Mein erster Gedanke war: "Na, das kann ja was werden", aber dann hat mich das Buch "Die Krise von Daniel Stelter" gleich noch einmal überrascht und zwar im positiven Sinne.

Zunächst einmal gibt es Fakten zum Wirtschaftswachstum, zur Zinsentwicklung, zur Verschuldung von Staaten und Haushalten der Industrienationen in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Diese werden im Zusammenhang mit der Entwicklung von Lohnzahlungen und Gehältern sowie den zugesicherten Sozialleistungen - wie Renten, Pensionen sowie Gesundheitsleistungen - erläutert.

"Die Krise"
von Daniel Stelter
Angesichts der aktuellen medialen Ruhe rund um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Eurozone, mag es für viele Leser eine Überraschung sein, dass die eigentlichen Ursachen bislang im Grunde noch gar nicht beseitigt wurden. Es haben sich zwar einige Sachverhalte wie Lohnkosten oder die Höhe der zusätzlichen Verschuldung etwas zum Besseren hin entwickelt, aber die grundsätzlichen Probleme - unter anderem auch die aus verschiedenen Gründen verheerende Jugendarbeitslosigkeit in Teilen Südeuropas - sind noch alle da.

Anschließend werden vier Möglichkeiten beleuchtet wie Europa im Ganzen aus den gröbsten Schwierigkeiten herauskommen könnte. Entweder es wird gespart und ein Großteil der Schulden zurückgezahlt oder die Länder der Eurozone befreien sich selbst durch kräftiges Wirtschaftswachstum. Die dritte Möglichkeit ist die sogenannte Schuldenrestrukturierung, wobei sich hinter diesem diplomatischen Begriff so unschöne Szenarien wie Schuldenschnitt, Vermögensabgabe und höhere Besteuerung von Immobilien, Wertpapieren und anderen Vermögenswerten verbergen. Und eine Inflation wäre der vierte denkbare Lösungsweg aus der Krise.

Mit Statistiken belegt der Autor, dass von diesen vier Möglichkeiten mit Einschränkungen zukünftig nur zwei in Fragen kommen könnten.

In einigen anderen Büchern zum ähnlichen Thema erhält man zwar ewig lange Ausführungen wie schlimm doch alles ist und zukünftig sein wird, aber keine brauchbaren Ratschläge, was man als Privat-Bürger tun kann. Daher fällt mir in diesem Buch positiv auf, dass es zum Schluss noch eine Übersicht darüber gibt, was man als Privatanleger mit seinem Geld bei bestimmten Szenarien tun sollte.
Nicht nur deshalb hat mir persönlich "Die Krise...ist vorbei...macht Pause...kommt erst noch" von Daniel Stelter gut gefallen. Denn mit dem Wissen der Fakten ahnt man recht schnell, warum die Politik, die Zentralbanken oder auch der IWF (IMF) bestimmte Forderungen stellen. Gleichzeitig erkennt man, ob getroffene Entscheidungen in die richtige Richtung gehen oder bald in eine Sackgasse münden. Zu letzterer gehören zum Beispiel die "aktuellen Rentengeschenke der großen Koalition", wie vom Autor auf Seite 75 angemerkt wurde.


Beim Slogan "77 Bilder, die mehr sagen als 1000 Worte" braucht man aber keine Angst zu haben, sich ausschließlich durch Abbildungen arbeiten zu müssen. Die jeweils wichtigsten Erkenntnisse werden in kurzen Sätzen zusammengefasst. Wer sich bislang bereits intensiv mit der Eurokrise beschäftigt hat, bekommt zwar nicht viel neues, dafür aber eine übersichtliche Zusammenfassung mit nachvollziehbaren Zukunftsszenarien präsentiert.

Zum Weiterlesen:

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