Dienstag, 17. September 2013

Was taugen Private Equity ETFs zur Diversifikation?

Das muss ich schon zugeben, vor ein paar Jahren fand ich die Anlageklasse "Private Equity" ziemlich spannend. Gut, wie bei vielen anderen Anlageklassen gab es auch hier in den Jahren 2006 bis Anfang 2008 einen ziemlichen Hype. Während der Finanzkrise folgte ein teilweise außergewöhnlich tiefer Fall, wie wir weiter unten sehen werden. Mittlerweile gibt es auch einige Private Equity ETF's. Zwei von denen habe ich mir einmal näher auf die Frage hin angeschaut, ob man sie haben sollte oder nicht.

Was ist Private Equity?
"Außerbörsliches Eigenkapital" heißt Private Equity in die deutsche Sprache übersetzt. Wie der Name bereits suggeriert, investiert der Investor in Unternehmen, die nicht an der geregelten Börse handelbar sind. Dies tut der Privatanleger aber nicht direkt, sondern indirekt über Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Eine Sonderform ist das sogenannte Venture Capital, welches insbesondere jungen Unternehmen bereitgestellt wird. Wie es der Name "Risikokapital" oder auch "Wagniskapital" schon veranschaulicht, sind die Risiken, aber eben auch Chancen hier höher, weil ein junges Unternehmen erst seinen etablierten Platz im Markt finden muss.

Diese Private Equity-Gesellschaften, oft als Heuschrecken bezeichnet, genießen in der Öffentlichkeit seit Jahren keinen guten Ruf. Kurzfristige Profitgier und Streben nach höchstmöglicher Rendite werden ihnen nachgesagt.

Natürlich ist das Ziel der Private Equity-Gesellschaften eine möglichst hohe Rendite für ihr eingesetztes Investorenkapital zu erzielen. Dieses Vorhaben muss jedoch nicht zwangsläufig im Konflikt mit den Zielen des Unternehmens stehen. Oft ist der Einstieg von Private Equity-Gesellschaften für die finanzierten Unternehmen langfristig positiv. Wie einige Studien gezeigt haben, ist der Unternehmenswert und auch die Mitarbeiterzahl einige Zeit nach dem Einstieg von
Private Equity-Gesellschaften angestiegen. Die Gründe für die häufig gute wirtschaftliche Entwicklung sind die aktive Beteiligung an der Unternehmensführung und der Einsatz von erfahrenen Managern, die mit ihrem Know-how und ihrer Kompetenz zur Effiziens- und Produktivitätssteigerung bei den finanzierten Unternehmen führten. Vor allem in wirtschaftlich schwächeren Zeiten kann dieses Wissen sehr wertvoll sein.

Welche Investmentmöglichkeiten gibt es?
Die Direktanlage ist lediglich institutionellen Investoren vorbehalten. Dabei sucht der Investor mögliche Unternehmen, bewertet diese nach eigene Maßstäben, ist aktiv bei der Strukturierung der Finanzierung und der Managementunterstützung während der Investitionsdauer beteiligt.

Die indirekten Anlage in Private Equity wird meist über Fonds, Dachfonds und Zertifikaten durchgeführt. Dort kann sich auch der Privatanleger beteiligen. Mittlerweile gibt es auch ETFs, die in Private Equity Gesellschaften investieren. Um das noch einmal deutlich auseinanderzuhalten. Mit einem Fonds oder ETF investiert man nicht - jedenfalls nicht direkt - in die außerbörslichen Unternehmen. Sondern investiert wird in börsliche (Private Equity-)Unternehmen, die in außerbörsliche Unternehmen investieren und dieses möglicherweise umstrukturieren.

Zwei dieser ETFs möchte ich nun vorstellen.

iShares Listed Private Equity UCITS ETF (ISIN: DE000A0MSAF4)
Auf der Webseite von iShares heißt es:
Der iShares Listed Private Equity UCITS ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF), der möglichst genau die Wertentwicklung vom S&P Listed Private Equity Index abbildet. Der Index bietet Zugang zu den führenden börsennotierten Private-Equity Unternehmen, die  den  Anforderungen an Größe, Liquidität, und Aktivität entsprechen. Der Anteil von Master Limited Partnerships (MLP) im Fonds ist auf 20% begrenzt und wird durch den Einsatz von Differenzkontrakten (CFDs) erreicht.

TER: 0,75% p.a.
Struktur: physische Replikation
Ausschüttungsintervall: halbjährlich
Ausschüttungsrendite: um 3%
Anzahl Positionen (Mitte September 2013): 51


PowerShares Global Listed Private Equity Portfolio (ISIN: US73935X1954)
Auf der Webseite von PowerShares heißt es:
The PowerShares Global Listed Private Equity Portfolio (Fund) is based on the Red Rocks Global Listed Private Equity Index (Index). The Fund will normally invest at least 90% of its total assets in securities, which may include American depository receipts and global depository receipts, that comprise the Index. The Index includes securities, ADRs and GDRs of 40 to 75 private equity companies, including business development companies (BDCs), master limited partnerships (MLPs) and other vehicles whose principal business is to invest in, lend capital to or provide services to privately held companies (collectively, listed private equity companies). 

TER: 2,19% p.a.
Struktur: physische Replikation
Ausschüttungsintervall: vierteljährlich
Ausschüttungsrendite: zwischen 4 und 5%
Anzahl Positionen (Mitte September 2013): 52

Zunächst einmal habe ich die beiden Private Equity ETFs miteinander verglichen. Seit Ende 2011 bis heute liefen die beiden Kursindizes nahezu im Gleichschritt. Da stellt sich die Frage, welcher denn nun besser geeignet erscheint? Der von den Gebühren sehr sportliche PowerShares-ETF oder der günstigere ETF von iShares, mit geringeren Gebühren, aber auch geringerer Ausschüttungsrendite.

Im nächsten Schritt habe ich den ETF von iShares (schwarze Kurve) mit einem auch hier bekannten globalen Aktienfonds verglichen und zwar mit dem DWS Top Dividende (blaue Kurve).
Vergleich iShares Listed Private Equity UCITS ETF mit
DWS Top Dividende seit 2008 - Quelle: comdirect.de

Den Zeitraum habe ich bewusst so gewählt, dass die Finanzkrise durchaus noch mit abgedeckt ist. In der Zeit bis Anfang 2009 fällt der fast 75%-ige Verlust des Private Equity ETFs auf, während der Top Dividende gleichzeitig deutlich unter 50% bleibt.

In der Erholungsphase bis Anfang 20011 kann der Private Equity ETF seine Verluste auf den Top Dividende fast wieder wettmachen.
Während der anschließenden Verschärfung der Eurokrise erleidet der Private Equity ETF erneut größere Verluste, um in der anschließenden Haussephase - die bis zur Artikelveröffentlichung noch nicht beendet war - wieder Boden gutzumachen, ohne den Top Dividende wieder einzuholen.

Für mich ergeben sich aus dieser - zugegeben Einzelbetrachtung - folgende Erkenntnisse:
  • In Bärenmärkten - oder selbst bei Korrekturen - erleidet der Private Equity ETF teils deutlich höheren Verluste als ein solider globaler Dividenden-Aktienfonds (oder -ETF)
  • In Bullenmärkten bestehen deutlich bessere Chancen auf eine höhere Rendite
  • Eine nennenswerte Diversifikation zum Aktienmarkt kann ich nicht erkennen

Fazit
Der Private Equity ETF macht auf mich einen Eindruck als ob wir gehebelt im Aktienmarkt unterwegs sind. Also bei fallen Aktienkurse ist der Wertverlust markant höher, bei steigenden Kursen ist hingegen die Wertsteigerung deutlich höher.
Der betrachtete Zeitraum als Vergleich ist natürlich willkürlich gewählt und im langjährigen Durchschnitt haben wir einen steigenden Aktienmarkt. Ob dadurch längerfristig auch Private Equity ETFs die Nase vorn haben (werden), kann ich an dieser Stelle nicht beantworten.
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Aus der jetzigen Sicht bieten Private Equity ETFs meiner Meinung nach keinen signifikanten Mehrwert bei der Diversifikation zum Aktienmarkt. Um diesen Sektor abzubilden reicht selbst längerfristig betrachtet ein weltweiter (Dividenden-) Aktien-Fonds (oder -ETF)

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Ich nehme an, Sie sind ein Fachmann in Ihrem Sektor. Ich möchte nur sagen, dass mich dieser artikel überrascht hat. Die Klarheit im Artikel ist hervorragend. Falls Sie nichts dagegen haben, nutze ich Ihren rss feed, um mit ihren nächsten Beiträgen auf dem Laufenden zu bleiben.
    Vielen Dank und alles Gute.

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  2. Ich weiß nicht, ob es jemand mitbekommen hat, aber der PowerShares Global Listed Private Equity Portfolio (US73935X1954) erzielte im Jahr 2013 eine Gesamtrendite von 29,2%, davon alleine 14,2% Ausschüttungsrendite!
    Zwar habe ich meine Zweifel, ob ähnliche hohe Werte auch in der Zukunft regelmäßig erzielt werden können, aber ich denke man sollte diesen noch jungen ETF im Auge behalten.

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